Wenn Garbold allein in der Gasse steht, fliegt der rotblaue Vogel mit dem langen Schwanz auf seine Schulter und das scheue Waisenkind setzt sich zu seinen Füssen. Es lacht und weint ob seinen Geschichten, schaut ihn staunend an, oder blickt angewidert auf die Zigarettenstummel vor sich.
Garbold ist der liebenswürdigste Mensch den ich kenne. Seine überschäumende Fantasie macht ihn zum faszinierenden Geschichtenerzähler, der auch seine wildesten Fantasien jenseits von Gut und Böse schamlos ausplaudert. Nur wenige der vorbeiziehenden Passanten wagen es stehenzubleiben, zuzuhören und dann ihre eigenen persönlichen Geschichten darin wiederzuerkennen. Für Garbold gibt es jedoch kein Ausweichen, kein Herunterspielen oder Leisetreten. Seine weit offenen Augen sehen ganz einfach das, was an ihnen vorbeizieht, fern von jeder Schönfärberei. Genau deshalb ist er der liebenswürdigste Mensch , den ich kenne. Er entlässt jeden Zuhörer betroffen und getroffen, mit einem lachenden und einem weinenden Auge.
© Chandra Mäder
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