Eigentlich hätten sie als Helden gefeiert werden sollen. Immerhin ist es den Dreien nach tagelanger Jagd gelungen, den Superskunk zu fangen. Sie haben ihn mitten auf dem Marktplatz umzingelt und John, der auch Goalie im Fussballclub des öffentlichen Dienstes ist, kann ihn nach einem Hechtsprung mit beiden Händen fassen, worauf die andern Zwei heranstürmen und die extra gefertigten Handschellen zuschnappen lassen.
Doch es ist zu spät: Das Stinktier hat es bereits geschafft, sein inzwischen wieder voll geladenes Sekret in einem riesigen Strahl herausspritzen zu lassen. Durch die Zuschauermenge, welche aus grosser Distanz der Gefangennahme beiwohnt, gellt ein lauter einstimmiger Entsetzensschrei und fluchtartig stiebt sie auseinander. So beeilen sich die Drei, welche nun trotz ihrer Schutzanzüge bestialisch stinken, ihr Werk zu vollenden und bringen den Skunk zum Zoo. Der Direktor empfängt sie dort, eingepackt in einen doppelten Ganzkörper-Schutzanzug, und weist sie aus 50 Metern Distanz an, das Tier in den Skunkkäfig zurückzubringen.
Da geschieht das Unvorstellbare: beim Öffnen des Käfigs stolpert John mit dem gefangenen Skunk und alle 132 Stinktiere des Zoos benutzen den Hingefallenen sozusagen als Sprungbrett in die Freiheit!
Die Nachricht verbreitet sich in Windeseile durch die Stadt. Der geruchliche Supergau ist eingetreten! Ätzende Gestanksschwaden wehen durch die Quartiere. Nicht nur bei älteren Damen aus dem Daigg löst dies asthmatische Heulkrämpfe aus. Im Rathaus ringen die Politiker um Sofortmassnahmen, wobei sich die oppositionellen Parteien wie üblich ständig sabotieren. Schliesslich heulen die Sirenen und die Stadtbewohner straucheln verzweifelt zu den Schutzräumen.
Unsere drei Helden hingegen stinken nun bis aufs Mark. Keine Dusche der Welt wird ihnen je helfen können, kein Mensch wird sich ihnen je wieder nähern und kein Luftschutzkeller wird sie je aufnehmen! Das Einzige was ihnen bleibt, ist johlend durch die verwaisten Strassen zu zotteln und in den verwaisten Beizen Bier abzuzapfen, bis auch das letzte Fass leer ist.
© Chandra Mäder
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