Seit vier Uhr ist Bernhard an der Arbeit. Diese Woche am Sonntag, Montag, Dienstag, Mittwoch und Freitag. Seine Schichten ändern immer mal wieder. Einfach 42 Stunden die Woche.
Seine Fachgebiete sind putzen, desinfizieren, abwischen, auf Hochglanz bringen und entsorgen. Er ist Fachmann: sorgfältig, gründlich, zuverlässig, pünktlich, umsichtig, anonym, niemals störend, nett (falls ihn jemand irrtümlich anspricht) und nie ist ihm etwas zu viel.
Er reinigt Oberflächen von Schmutz, Fett und ausgelaufenem Bier, Pisse in den dunkeln Ecken und von verschiedenen Orten importierter Sohlendreck auf den Böden. Er ist sozusagen mit allen Putzmitteln gewaschen. Er kennt sich mit Reinigungsprodukten aus, von schonend bis aggressiv, und lässt sich von hausfrauenbetörenden Werbesprüchen nichts aufschwatzen.
Er hat sogar fundierte Grundfähigkeiten in der hohen Kunst des Fensterputzens. Schliesslich hatte ein entfernter Verwandter in den USA die weltbekannte Firma „Amazing View, Swiss Quality Window Cleaning“ gegründet.
Er entsorgt weggeworfene Verpackungen (vieles davon aus Plastik), leere Flaschen (Glas und Pet), fortgeschmissene Masken (noch immer) und Zigarettenstummel (auch im Nichtraucherbereich). Er macht sich Gedanken über stehengelassene Kinderwagen (sehr selten) und sammelt liegengelassene Schals, Handschuhe, Pulswärmer und Fankappen (ziemlich häufig) ein. Manchmal macht er sich etwas, das er gerade brauchen kann, zu eigen, aber niemals etwas kostbares wie Schmuck, Uhren oder volle Geldbeutel. Auch bei Ausweisen, Kreditkarten oder Schusswaffen (ebenfalls selten, aber zunehmend) weiss er genau wo sie abzugeben sind.
Vieles gäbe es noch über ihn zu berichten. So zum Beispiel seine Zusammenarbeit mit Polizei, Rettungsdienst oder Feuerwehr, wenn er bei Arbeitsbeginn auf Bänken Schlafende, Betrunkene, Erfrorene oder Sabotageverdächtige antrifft.
Bernhard ist zweifellos einer der vertrauenswürdigsten und zuverlässigsten Fachmänner der Stadt.
© Chandra Mäder
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