
Ziellos
Entschlossen hat er sich umgedreht. Jetzt fluten ihm auf seinem Gang durch die riesigen Hallen viele Menschen entgegen. Er geht schnell und entschieden, eine neue unvorhergesehene Richtung erahnend.
Doch keiner der Entgegenkommenden nimmt ihn wahr. Alle sind mit ihren Autopiloten auf der Zielgeraden zum nächsten geplanten Termin und mit ihrer verbleibenden Aufmerksamkeit auf ihren Handys eingerastet.
Er jedoch schöpft seine Entschlossenheit aus einer neuen Wahrnehmung dieser Menschenflut. Einfach ist es für ihn nicht. Allein ist er damit. Mit dem verstärkten Spüren seiner Verletzlichkeit wird er sich auch der Anspannungen in seinem Körper bewusst. Seine Bewegungen nehmen die eines wilden Tiers an, welches nach jahrelanger Gefangenschaft im Zoo in die Freiheit entwichen ist.
Langsam beginnt er zu erkennen, dass er sich äusserlich nicht von den im Strom Schwimmenden unterscheidet. Seine Anspannungen beginnen sich zu lösen. Spielerisch variiert er sein Tempo und überlässt sich ganz seinen spontanen Eingebungen. Manchmal schwimmt er auch hellwach im Strom der Träumenden mit.
© Chandra Mäder
