
Glückselig verloren
(Ein Wesen aus Auroris II)
Offensichtlich verloren steht sie da. Katapultiert in eine fremde Welt. Zwar ist sie auf Auroris für ihre Mission in Basel bestens geschult worden. Sie hat sich ein perfektes Baseldytsch mit dem Tonfall einer älteren Frau angeeignet, ist in die Fastnachtstradition eingeführt worden und hat sogar die Verhaltensregeln des Basler Daigg eingehend studiert. Quasi getarnt mit einer wohldurchdachten Anonymität inmitten des Bahnhofs aus dem Nichts auftauchend, trat sie ihre Mission auf der Erde an.
Doch dass sie einen völlig isolierten Seinszustand erleben würde, welcher Menschen dieses Alters eigen und aus dem schwerlich ein Heraustreten möglich ist, war auf Auroris nicht absehbar gewesen. So ist in dieser künstlich geschaffenen Isolation ein freudiges und spontanes Agieren mit der menschlichen Spezies für sie praktisch nicht lebbar. Das Beste, was ihr möglich ist, ist, ganz in ihrem zutiefst inneren Glückszustand zu verweilen und auf diese Weise neben all der Gleichgültigkeit, die ihr entgegenschlägt, hin und wieder dem unschuldigen Lächeln eines Kindes zu begegnen.
© Chandra Mäder
